Die Wahl des Ausbildungsberufs entscheidet nicht nur darüber, was du lernst, sondern auch, wie viel Geld dir schon während der Lehrjahre zur Verfügung steht. Einige Ausbildungen zahlen deutlich über dem Durchschnitt, andere überzeugen vor allem durch gute Übernahmechancen und starke Gehaltsaussichten nach dem Abschluss. Ich zeige dir, welche Berufe 2026 besonders interessant sind, worauf du bei den Zahlen achten musst und warum ein hohes Ausbildungsgehalt allein noch keine gute Entscheidung garantiert.
Die wichtigsten Zahlen und Unterschiede auf einen Blick
- 1.209 Euro brutto betrug 2025 die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung über alle Berufe und Lehrjahre hinweg.
- 1.490,69 bis 1.653,38 Euro erhalten Auszubildende in der Pflege nach TVAöD-Pflege ab Mai 2026.
- Milchtechnologen, Bankkaufleute und Versicherungsfachleute gehören zu den bestbezahlten dualen Ausbildungen.
- Für Ausbildungsstarts 2026 gilt ohne passenden Tarifvertrag eine gesetzliche Untergrenze von 724 Euro im ersten Lehrjahr.
- Vergleiche immer Bruttovergütung, Sonderzahlungen, Arbeitsbedingungen und Einstiegsgehalt nach der Ausbildung.
Was ein gutes Ausbildungsgehalt wirklich bedeutet
Während einer dualen Ausbildung spricht man korrekt von Ausbildungsvergütung, nicht von einem normalen Fachkräftegehalt. Die Zahlung steigt normalerweise mit jedem Lehrjahr und hängt stark von Branche, Region, Tarifbindung und Größe des Betriebs ab.
Für einen Ausbildungsbeginn im Jahr 2026 gelten nach dem Berufsbildungsgesetz folgende monatliche Mindestbeträge. Sie betreffen duale Ausbildungen nach BBiG oder Handwerksordnung, sofern kein vorrangiger Tarifvertrag gilt.
| Ausbildungsjahr | Mindestvergütung 2026 |
|---|---|
| 1. Jahr | 724 Euro brutto |
| 2. Jahr | 854 Euro brutto |
| 3. Jahr | 977 Euro brutto |
| 4. Jahr | 1.014 Euro brutto |
Diese Werte sind nur eine gesetzliche Untergrenze. In tarifgebundenen Branchen liegen die Zahlungen oft deutlich höher. Nach Angaben des BIBB erhielten Auszubildende in tarifgebundenen Betrieben 2025 im Durchschnitt 1.209 Euro brutto pro Monat. Der Unterschied zwischen einem kleinen Handwerksbetrieb und einem großen Industrieunternehmen kann deshalb mehrere hundert Euro betragen.
Welche Ausbildungen 2026 besonders gut bezahlen
Die folgenden Werte zeigen durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütungen über alle Lehrjahre hinweg. Sie sind deshalb nicht mit dem Betrag im ersten Ausbildungsjahr gleichzusetzen, eignen sich aber gut für einen realistischen Vergleich.
| Ausbildungsberuf | Durchschnitt pro Monat | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| Milchtechnologe oder Milchtechnologin | 1.463 Euro | Produktion, Lebensmitteltechnik und häufig Schichtarbeit |
| Kaufmann oder Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen | 1.404 Euro | Beratung, Verträge, Finanzprodukte und Kundenkontakt |
| Milchwirtschaftlicher Laborant oder Laborantin | 1.403 Euro | Qualitätskontrolle und naturwissenschaftliche Laborarbeit |
| Elektroniker oder Elektronikerin für Betriebstechnik | 1.335 Euro | Elektrische Anlagen, Wartung und industrielle Technik |
| Industriemechaniker oder Industriemechanikerin | 1.318 Euro | Maschinenbau, Instandhaltung und Produktionsanlagen |
| Fachinformatiker oder Fachinformatikerin | 1.281 Euro | Software, Systemintegration und digitale Prozesse |
| Industriekaufmann oder Industriekauffrau | 1.275 Euro | Einkauf, Vertrieb, Personal und Unternehmensorganisation |
Besonders auffällig ist, dass nicht nur klassische Büroberufe weit oben liegen. Auch technische und industrielle Ausbildungen zahlen stark, weil dort Fachkräfte dringend gebraucht werden und viele Betriebe an Tarifverträge gebunden sind.
Pflege als gut bezahlte schulische Ausbildung
Die Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann ist ein Sonderfall. Sie ist nicht wie eine klassische duale Ausbildung organisiert, wird aber bei zugelassenen Trägern vergütet. Im öffentlichen Dienst beträgt das Ausbildungsentgelt nach TVAöD-Pflege ab Mai 2026 1.490,69 Euro im ersten, 1.552,07 Euro im zweiten und 1.653,38 Euro im dritten Ausbildungsjahr.
Das Geld ist attraktiv, die Arbeit aber anspruchsvoll. Schichtdienst, Wochenendarbeit und die körperliche sowie emotionale Belastung solltest du ernst nehmen. Für mich ist Pflege deshalb dann eine gute Wahl, wenn das Interesse am Menschen wirklich vorhanden ist und nicht nur die Vergütung lockt.
Warum Tarifbindung oft mehr bringt als der Berufstitel
Ein Ausbildungsberuf hat keine überall identische Vergütung. Entscheidend ist häufig der Arbeitgeber. Im Jahr 2025 lag der tarifliche Durchschnitt in Industrie und Handel bei 1.266 Euro, im öffentlichen Dienst bei 1.329 Euro, im Handwerk dagegen bei 1.093 Euro.
Das bedeutet nicht, dass jede Ausbildung im Handwerk schlecht bezahlt wird. Im Bauhauptgewerbe können beispielsweise bereits im ersten Lehrjahr hohe Tarifbeträge gelten. Umgekehrt kann ein kaufmännischer Beruf in einem kleinen Betrieb deutlich weniger einbringen als derselbe Beruf bei einem großen Konzern.
Zusätzlich zum Monatsbetrag können Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen, Fahrtkostenzuschüsse oder ein 13. Monatsgehalt kommen. Laut BIBB profitierten 2022/2023 rund 89 Prozent der Auszubildenden von mindestens einer solchen Zusatzleistung. Im Vertrag sollte trotzdem genau stehen, ob die Zahlung garantiert oder freiwillig ist.
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Brutto ist nicht netto
Alle genannten Beträge sind Bruttowerte. Davon gehen je nach Alter, Steuermerkmalen, Krankenkasse, Kirchensteuer und weiteren Faktoren Beiträge ab. Gerade bei einer knappen Haushaltsplanung solltest du deshalb nicht nur auf die Zahl in der Stellenanzeige schauen, sondern das voraussichtliche Nettoausbildungsentgelt berechnen.
Auch die Lebenshaltungskosten verändern den Wert eines Gehalts. 1.300 Euro in einer Kleinstadt können für den Alltag besser reichen als 1.500 Euro in München, Hamburg oder Frankfurt. Ein günstiges Wohnheim, ein Jobticket oder ein Essenszuschuss kann daher mehr wert sein als ein kleiner Unterschied beim Bruttobetrag.
So vergleichst du Ausbildungsangebote richtig
Ich würde Ausbildungsplätze nicht nach einer einzigen Zahl sortieren. Ein sinnvoller Vergleich funktioniert besser mit fünf konkreten Prüfpunkten.
- Vergütung nach Lehrjahren prüfen: Achte darauf, ob die Beträge für alle Jahre genannt werden und ob sie tariflich garantiert sind.
- Tarifvertrag erfragen: Frage direkt, welcher Tarifvertrag gilt und ob Sonderzahlungen automatisch gezahlt werden.
- Arbeitszeit und Zuschläge vergleichen: Schicht-, Nacht- oder Wochenendarbeit kann das Einkommen erhöhen, bringt aber auch eine höhere Belastung mit sich.
- Übernahmechancen ansehen: Ein niedrigeres Ausbildungsgehalt kann sich lohnen, wenn der Betrieb fast alle erfolgreichen Absolventen übernimmt.
- Gehalt nach dem Abschluss recherchieren: Entscheidend ist, wie sich das Einkommen nach zwei, fünf oder zehn Jahren entwickelt.
Besonders wichtig ist der Blick in den Ausbildungsvertrag. Dort findest du nicht nur die Vergütung, sondern meist auch Angaben zu Arbeitszeit, Urlaub, Probezeit und möglichen Zusatzleistungen. Mündliche Versprechen wie „später bekommst du deutlich mehr“ würde ich nie als Entscheidungsgrundlage verwenden.
Die Bundesagentur für Arbeit rät ebenfalls dazu, nicht nur die Ausbildungsvergütung, sondern auch das Einstiegsgehalt und die Weiterbildungsmöglichkeiten nach dem Abschluss zu vergleichen. Das ist aus meiner Sicht der vernünftigste Ansatz, weil drei Jahre Ausbildungszeit gegenüber einer jahrzehntelangen Berufslaufbahn relativ kurz sind.
Welche Berufe langfristig gute Chancen bieten
Ein hohes Ausbildungsgehalt ist ein guter Start, aber kein Beweis für ein hohes späteres Einkommen. Manche Berufe zahlen während der Ausbildung viel und bieten danach stabile Tarifstrukturen. Andere beginnen etwas niedriger, eröffnen dafür schnelle Aufstiegsmöglichkeiten durch Meister, Techniker, Fachwirt oder berufsbegleitendes Studium.
In der IT können sich Fachinformatiker beispielsweise in Richtung Cloud, IT-Sicherheit oder Softwareentwicklung spezialisieren. In der Industrie führen Weiterbildungen häufig zu Aufgaben in der Instandhaltung, Automatisierung oder Produktionsleitung. Im öffentlichen Dienst sorgen feste Entgeltgruppen für Transparenz, allerdings ist der Aufstieg oft an zusätzliche Qualifikationen gebunden.
Auch die Pflege verdient eine realistische Einordnung. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für ausgebildete Pflegefachkräfte 2026 einen Median von 4.587 Euro brutto monatlich aus. Dieser Wert beschreibt nicht automatisch das Einstiegsgehalt, zeigt aber, dass die Ausbildung langfristig attraktive Verdienstmöglichkeiten bieten kann, besonders mit Fachweiterbildung, Leitungsverantwortung oder tariflicher Beschäftigung.
Mein Rat lautet deshalb, drei Fragen zusammen zu beantworten. Passt die tägliche Arbeit zu deinen Stärken? Gibt es in der Region ausreichend Ausbildungsplätze und Arbeitgeber? Und kannst du dir vorstellen, dich in diesem Beruf weiterzuentwickeln? Erst wenn diese Punkte stimmen, wird aus einer gut bezahlten Ausbildung auch eine gute berufliche Entscheidung.
Der beste Ausbildungsplatz ist mehr als ein hoher Monatsbetrag
Wer 2026 eine Ausbildung mit gutem Gehalt sucht, findet die stärksten Vergütungen vor allem in der Pflege, im öffentlichen Dienst, in Industrie und Handel sowie in ausgewählten technischen und finanznahen Berufen. Die höchsten Beträge stehen jedoch oft mit Schichtdienst, Verantwortung, Kundenkontakt oder anspruchsvollen Arbeitsbedingungen in Verbindung.
Vergleiche deshalb das komplette Paket aus Vergütung, Tarifbindung, Arbeitszeit, Übernahme, Weiterbildung und späterem Einstiegsgehalt. Wenn die Ausbildungsvergütung für Miete und Lebensunterhalt nicht reicht, solltest du außerdem frühzeitig prüfen, ob Berufsausbildungsbeihilfe, Wohngeld oder andere Unterstützungen infrage kommen. So triffst du eine Entscheidung, die nicht nur heute gut aussieht, sondern auch nach dem Abschluss noch trägt.