Wer Zimmerer oder Zimmerin werden möchte, sollte neben handwerklichem Interesse auch die finanzielle Seite der Ausbildung realistisch einschätzen. Ich zeige, welche Bruttobeträge 2026 üblich sind, was davon ungefähr auf dem Konto ankommt und warum Tarifvertrag, Bundesland und Zusatzleistungen eine große Rolle spielen.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
- 1. Ausbildungsjahr: Im Baugewerbe sind ab April 2026 häufig 1.122 Euro brutto vorgesehen.
- 2. Ausbildungsjahr: Die tarifliche Vergütung steigt auf rund 1.351 Euro brutto.
- 3. Ausbildungsjahr: Zimmerer-Azubis können mit etwa 1.610 Euro brutto rechnen.
- Gesetzliche Untergrenze: Für neue Ausbildungsverträge 2026 gelten 724, 854 und 977 Euro brutto je Ausbildungsjahr.
- Netto: Je nach Steuerklasse und Versicherungen bleiben grob 890 bis 1.300 Euro monatlich.

Wie viel verdient man als Zimmerer in der Ausbildung
Die Ausbildung zum Zimmerer dauert in Deutschland normalerweise drei Jahre und läuft dual ab. Du arbeitest im Betrieb, besuchst die Berufsschule und erhältst für die praktische Ausbildung eine monatliche Vergütung.
Nach den aktuell veröffentlichten Tarifsätzen im Baugewerbe gelten ab April 2026 folgende Orientierungswerte. Die Angaben sind Bruttobeträge pro Monat, also noch vor Abzug von Sozialversicherung und eventuell Lohnsteuer.
| Ausbildungsjahr | Tarifliches Beispiel 2026 | Gesetzliche Mindestvergütung bei Ausbildungsbeginn 2026 |
|---|---|---|
| 1. Jahr | 1.122 € brutto | 724 € brutto |
| 2. Jahr | 1.351 € brutto | 854 € brutto |
| 3. Jahr | 1.610 € brutto | 977 € brutto |
Über die drei Ausbildungsjahre ergibt das beim genannten Tarifbeispiel rund 49.000 Euro brutto, Sonderzahlungen noch nicht eingerechnet. Die Bundesagentur für Arbeit nennt für Zimmerer und Zimmerinnen dieselben beispielhaften Monatsbeträge. Das ist ein guter Richtwert, aber kein Versprechen für jeden einzelnen Betrieb.
Die gesetzliche Mindestvergütung ist nicht automatisch der normale Betrag
Die gesetzliche Untergrenze schützt Azubis vor unangemessen niedriger Bezahlung. Sie gilt für Ausbildungsverträge, die 2026 neu beginnen. Wer bereits früher angefangen hat, fällt nicht automatisch unter die neuen Werte.
Das BIBB weist außerdem darauf hin, dass tarifgebundene Betriebe nach dem jeweiligen Tarifvertrag zahlen dürfen. In der Praxis liegt die Vergütung im Zimmererhandwerk deshalb häufig deutlich über dem gesetzlichen Minimum. Genau deshalb würde ich bei einem Angebot nie nur auf die Mindestbeträge schauen.
Warum Tarifvertrag und Region den Betrag verändern
Die größte Rolle spielt die Frage, ob der Ausbildungsbetrieb an einen Tarifvertrag im Baugewerbe gebunden ist. Tarifverträge werden zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften vereinbart und legen Mindeststandards für Vergütung, Arbeitszeit und bestimmte Zusatzleistungen fest.
Ein tarifgebundener Betrieb zahlt meist nach festen Sätzen. Ein nicht tarifgebundener Betrieb kann ebenfalls mehr zahlen, ist aber stärker an den eigenen Vertrag und die gesetzlichen Vorgaben gebunden. Im Ausbildungsvertrag sollte deshalb klar stehen, welcher Tarifvertrag angewendet wird oder wie sich die Vergütung konkret zusammensetzt.
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Besonderheiten im ersten Ausbildungsjahr
In einigen Bundesländern wird das erste Ausbildungsjahr im Zimmererhandwerk teilweise oder vollständig als Berufsgrundbildungsjahr an einer Berufsschule organisiert. Besonders in Bayern ist dieses Modell verbreitet. Dann kann die Auszahlung anders geregelt sein als bei einer durchgehend betrieblichen Ausbildung.
Wer zunächst überwiegend in der Schule lernt, sollte vor Beginn klären, ob der Betrieb bereits eine reguläre Ausbildungsvergütung zahlt, ob Ferienarbeit möglich ist und welche finanzielle Unterstützung infrage kommt. Eine pauschale Aussage für ganz Deutschland wäre an dieser Stelle irreführend.
Was vom Bruttolohn tatsächlich übrig bleibt
Auf dem Konto landet nicht der Betrag aus dem Ausbildungsvertrag, sondern das Nettogehalt nach Abzügen. Entscheidend sind unter anderem Steuerklasse, Alter, Krankenversicherung, Kirchensteuer und die Frage, ob du noch familienversichert bist.
| Brutto im Monat | Grobe Nettoorientierung |
|---|---|
| 1.122 € | etwa 890 bis 920 € |
| 1.351 € | etwa 1.060 bis 1.110 € |
| 1.610 € | etwa 1.240 bis 1.300 € |
Die Werte gelten nur als grobe Orientierung für eine alleinstehende Person in Steuerklasse I ohne Kirchensteuer. Ein Nettorechner liefert zwar eine genauere Zahl, ersetzt aber nicht den Blick auf die monatlichen Fixkosten. Gerade bei einer eigenen Wohnung können Miete, Fahrtkosten und Arbeitskleidung einen großen Teil der Vergütung aufbrauchen.
Wenn du für die Ausbildung aus dem Elternhaus ausziehen musst oder der Betrieb weit entfernt liegt, solltest du frühzeitig die Berufsausbildungsbeihilfe prüfen. Sie kann unter bestimmten Voraussetzungen helfen, wenn die Ausbildungsvergütung für Miete und Lebensunterhalt nicht ausreicht.
Welche Extras im Baugewerbe den Unterschied machen
Das monatliche Grundgehalt ist nur ein Teil des Gesamtpakets. Im Baugewerbe können je nach Betrieb und Tarifbindung zusätzlich Urlaubsgeld, ein 13. Monatseinkommen, vermögenswirksame Leistungen oder Beiträge zu einer Zusatzversorgung dazugehören.
Diese Leistungen sind nicht überall gleich hoch und nicht immer automatisch garantiert. Manche Arbeitgeber übernehmen auch Kosten für Arbeitskleidung, Werkzeug, Fahrtwege oder Unterkünfte auf Baustellen. Für mich ist das ein wichtiger Punkt, weil ein Betrieb mit 50 Euro mehr Monatsvergütung am Ende schlechter dastehen kann, wenn Fahrtkosten und Ausrüstung selbst bezahlt werden müssen.
- Arbeitskleidung: Klären, ob Sicherheitsschuhe, Schutzkleidung und Helm gestellt werden.
- Fahrtkosten: Fragen, ob der Weg zur Baustelle oder Berufsschule bezuschusst wird.
- Sonderzahlungen: Im Vertrag nach Urlaubsgeld oder 13. Monatseinkommen suchen.
- Überstunden: Prüfen, wie zusätzliche Arbeitszeit ausgeglichen oder bezahlt wird.
- Unterkunft: Bei Montageeinsätzen nach einer betrieblichen Lösung fragen.
Ein weiterer Vorteil ist die gute Entwicklung nach der Ausbildung. Mit Gesellenbrief, Erfahrung und Weiterbildungen zum Zimmerermeister, Techniker oder Bauingenieur verändern sich die Verdienstmöglichkeiten deutlich. Die Ausbildungsvergütung sollte also nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Einstieg in einen Beruf mit mehreren Aufstiegspfaden.
Was du vor der Unterschrift prüfen solltest
Bevor du einen Ausbildungsvertrag unterschreibst, würde ich die Vergütung mit mindestens zwei anderen Angeboten vergleichen. Wichtig sind nicht nur die Zahlen, sondern auch Tarifbindung, Ausbildungsqualität und Übernahmechancen.
- Vergleiche die Monatsbeträge für alle drei Ausbildungsjahre.
- Prüfe, ob die Angaben brutto oder netto gemeint sind.
- Frage nach Sonderzahlungen und vermögenswirksamen Leistungen.
- Kläre die Kosten für Berufsschule, Arbeitskleidung, Werkzeug und Fahrten.
- Informiere dich über die Übernahme nach bestandener Gesellenprüfung.
Ein häufiger Fehler ist, sich von einer hohen Zahl blenden zu lassen, ohne den Alltag des Betriebs zu prüfen. Eine gute Ausbildung erkennst du auch daran, dass du regelmäßig angeleitet wirst, verschiedene Holzbauarbeiten kennenlernst und nicht dauerhaft nur Hilfsarbeiten erledigst.
Wenn die Vergütung im Vertrag auffällig niedrig ist oder die jährliche Steigerung fehlt, solltest du vor der Unterschrift die zuständige Handwerkskammer oder die Ausbildungsberatung fragen. Unklare Angaben gehören geklärt, bevor der Vertrag beginnt, nicht erst nach der ersten Abrechnung.
Eine faire Entscheidung beginnt nicht bei der höchsten Zahl
Für 2026 ist eine tarifliche Ausbildungsvergütung von 1.122 Euro im ersten, 1.351 Euro im zweiten und 1.610 Euro im dritten Jahr ein realistischer Maßstab für Zimmerer-Azubis im Baugewerbe. Die gesetzliche Mindestvergütung liegt deutlich darunter und sollte eher als Sicherheitsnetz verstanden werden.
Mein Rat lautet deshalb, das Gesamtangebot zu bewerten. Ein verlässlicher Tarifbetrieb mit guter Betreuung, bezahlter Arbeitskleidung und realistischen Übernahmechancen kann langfristig mehr wert sein als ein kleiner Zusatzbetrag im ersten Lehrjahr. Entscheidend ist, dass die Vergütung transparent ist und zu den tatsächlichen Kosten deines Ausbildungsalltags passt.