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Reime in der Grundschule spielerisch fördern

Bert Lemke

Bert Lemke

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15. Juni 2026

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Ein Kind hört „Haus“ und ruft sofort „Maus“: Genau in solchen kleinen Momenten beginnt sprachliches Lernen. Reime in der Grundschule fördern das Hören von Lauten, erweitern den Wortschatz und machen den Übergang zum Lesen und Schreiben leichter. Hier finden Sie passende Reimwort-Beispiele, einfache Spiele, einen kurzen Stundenablauf und Ideen für unterschiedliche Lernstände.

Reime verbinden Sprachgefühl, Bewegung und erstes Schreiben

  • Reimwörter klingen am Wortende gleich oder ähnlich, zum Beispiel Haus und Maus.
  • Bildkarten und Bewegung erleichtern Kindern den Einstieg, bevor sie selbst schreiben müssen.
  • Kurze Spiele von 5 bis 10 Minuten reichen oft aus, um das Reimen regelmäßig zu üben.
  • Quatschgedichte motivieren besonders, weil es nicht auf perfekte Inhalte ankommt.
  • Differenzierung gelingt mit Bildern, vorgegebenen Wortteilen und offenen Schreibaufgaben.

Warum Reime in der Grundschule mehr sind als ein Sprachspiel

Beim Reimen achten Kinder bewusst auf den Klang eines Wortes. Sie hören, dass sich „Hose“ und „Dose“ am Ende ähneln, obwohl die Wörter unterschiedliche Bedeutungen haben. Diese Fähigkeit gehört zur phonologischen Bewusstheit, also zum Erkennen und Unterscheiden von Lauten und Wortklängen.

Für den Unterricht ist das besonders wertvoll, weil Kinder dabei gleichzeitig zuhören, sprechen und vergleichen. Wer Reimwörter laut ausspricht, nimmt Silben und Endungen genauer wahr. Das unterstützt später das lautgetreue Schreiben, ersetzt aber kein systematisches Lese- und Rechtschreibtraining.

Ich würde Reime deshalb nicht als Lückenfüller einsetzen. Schon ein tägliches Ritual von fünf Minuten kann mehr bewirken als eine lange Arbeitsblattstunde, in der die Kinder nur Wörter verbinden. Entscheidend ist, dass sie die Wörter hören, selbst sprechen und in einen kleinen Zusammenhang bringen.

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Welche Reimwörter für Kinder gut funktionieren

Am Anfang eignen sich Wörter aus der Lebenswelt der Kinder. Gegenstände, Tiere und bekannte Tätigkeiten lassen sich leicht als Bild darstellen. Gute erste Paare sind Haus und Maus, Hund und Mund oder Rose und Hose.

Schwierigkeitsstufe Beispiele Geeignete Aufgabe
Leicht Haus - Maus, Tee - See, Hut - gut Reimpaare hören und zuordnen
Mittel Katze - Tatze, Tanne - Kanne, Meise - Reise Passendes Wort finden oder ergänzen
Fortgeschritten fragen - sagen, singen - springen, lesen - Besen Eigene Sätze oder Verse bilden

Ich beginne möglichst mit klaren Endreimen, bei denen der Klang deutlich übereinstimmt. Wörter wie „Ball“ und „Wald“ können für manche Kinder schon schwieriger sein, weil die Schreibweise abweicht und der Schluss nicht ganz gleich klingt. Solche Beispiele sind später interessant, sollten aber nicht den Einstieg bestimmen.

Auch Unsinnswörter haben ihren Platz. Auf „Maus“ darf ein Kind zum Beispiel „Kraus“ oder ein erfundenes „Blaus“ nennen. Dabei lässt sich gut erklären, dass ein Wort ähnlich klingen kann, aber trotzdem nicht unbedingt ein echtes deutsches Wort ist.

Drei kurze Spiele, die sofort funktionieren

Das Reimkarten-Memory

Die Lehrkraft legt verdeckte Bildkarten aus. Ein Kind deckt zwei Karten auf und spricht beide Wörter laut. Passen „Fliege“ und „Ziege“ zusammen, darf es das Paar behalten. Für Leseanfänger sind Bildkarten sinnvoll, während stärkere Kinder Wortkarten oder eine Mischung aus Bild und Schrift verwenden können.

Der Reimball

Ein Kind nennt ein Wort und wirft einen Softball weiter. Wer den Ball fängt, findet ein passendes Reimwort und nennt anschließend selbst eines. Auf diese Weise entsteht eine schnelle Kette wie Baum - Traum - Raum - Schaum. Ich achte darauf, dass niemand lange ausscheiden muss, denn beim Sprachlernen ist häufiges Mitmachen wichtiger als Wettbewerb.

Lesen Sie auch: Vereinfachte Ausgangsschrift in der Grundschule richtig üben

Das Quatschgedicht

Die Klasse ergänzt gemeinsam kurze Sätze. Aus „Auf dem Dach sitzt eine Maus“ kann werden: „Auf dem Dach sitzt eine Maus, sie trägt dabei ein ...“ Die Kinder sammeln „Haus“, „Klaus“ oder ein lustiges Fantasiewort. Das Ziel ist nicht literarische Qualität, sondern Mut zum eigenen Sprachgebrauch.

Für eine ruhige Einzelarbeit eignen sich Reihen wie „Rose, Hose, Dose, ...“. Die Kinder markieren das Wort, das nicht passt, oder schreiben ein weiteres Reimwort auf. Eine solche Aufgabe dauert meist nur 5 bis 8 Minuten und lässt sich gut am Stundenanfang oder als Abschluss einsetzen.

So entsteht eine kurze Unterrichtseinheit

Eine überschaubare Einheit für die erste oder zweite Klasse kann etwa 30 bis 45 Minuten dauern. Ich würde sie nicht mit einem langen Arbeitsauftrag beginnen, sondern mit dem Klang und der Bewegung.

  1. Einstieg für 5 Minuten: Zwei Gegenstände oder Bilder zeigen, zum Beispiel einen Ball und einen Schrank. Die Kinder entscheiden, ob sich die Wörter reimen.
  2. Gemeinsames Hören für 10 Minuten: Reimpaare laut sprechen, klatschen und passenden Bildkarten zuordnen.
  3. Spielphase für 10 Minuten: Memory, Reimball oder eine Reimwortkette in kleinen Gruppen durchführen.
  4. Übungsphase für 10 Minuten: Wörter verbinden, fehlende Reimwörter ergänzen oder eigene Paare aufschreiben.
  5. Abschluss für 5 Minuten: Jedes Kind nennt ein Reimwort oder trägt einen selbst gebildeten Zweizeiler vor.

Bei älteren Grundschulkindern kann daraus ein kleines Gedicht werden. Die Klasse sammelt zum Beispiel Reime zum Thema „Frühling“ und baut daraus vier Zeilen. Ich finde dabei die sprachliche Genauigkeit wichtiger als ein sauber dekoriertes Blatt: Ein einfaches Gedicht, das ein Kind selbst erfunden hat, bleibt meist länger im Gedächtnis.

Wie sich die Aufgaben sinnvoll differenzieren lassen

In einer Grundschulklasse liegen beim Reimen oft große Unterschiede. Einige Kinder finden sofort mehrere Wörter, andere brauchen ein Bild, ein Vorsprechen oder zwei Auswahlmöglichkeiten. Das ist kein Grund, die Aufgabe für alle gleich schwer zu machen.

  • Für den Einstieg: Nur zwei Bildkarten vergleichen lassen.
  • Für mehr Sicherheit: Drei Wörter anbieten, von denen zwei zusammenpassen.
  • Für geübte Kinder: Ein eigenes Reimwort und einen vollständigen Satz bilden lassen.
  • Für DaZ-Lernende: Bild, Wort und langsames Vorsprechen kombinieren.
  • Für Schreibstarke: Eine Reimwortkette oder ein kurzes Quatschgedicht verfassen lassen.

Ein häufiger Fehler ist, die Schreibweise zu früh zum Hauptkriterium zu machen. „Bär“ und „Meer“ reimen sich beim Hören, obwohl sie unterschiedlich geschrieben werden. Beim ersten Zugang zählt deshalb der gesprochene Klang; die Rechtschreibung kann in einer späteren Phase dazukommen.

Ebenso wenig sollte ein Kind wegen eines unpassenden Reims vor der Gruppe bloßgestellt werden. Ich frage lieber nach: „Wie klingt dein Wort am Ende?“ So wird aus der Korrektur eine Hörübung. Wenn ein Kind dauerhaft kaum Reimpaare erkennt, sind zusätzliche spielerische Übungen und ein Gespräch mit der Lehrkraft sinnvoll.

Was im Alltag den größten Unterschied macht

Reime müssen nicht auf die Deutschstunde beschränkt bleiben. Beim Aufräumen, im Morgenkreis oder auf dem Weg zur Sporthalle entstehen kleine Gelegenheiten: „Wer findet einen Reim auf Schuh?“ Ein solches Sprachritual ohne Leistungsdruck ist oft wirksamer als ständige Tests.

Auch Eltern können zu Hause mit drei Gegenständen spielen oder beim Vorlesen kurz innehalten. Dabei braucht es weder spezielle Lernsoftware noch teures Material. Papierkarten, Stifte und vertraute Bilder reichen völlig aus, solange das Kind laut sprechen und selbst ausprobieren darf.

Mein wichtigster Rat lautet daher: lieber regelmäßig, kurz und spielerisch üben. Wenn Kinder lachen, eigene Wörter erfinden und trotzdem genau hinhören, ist das Reimtraining bereits auf dem richtigen Weg.

Häufig gestellte Fragen

Am Anfang funktionieren klare Reimpaare aus der Lebenswelt der Kinder besonders gut, zum Beispiel Haus und Maus, Hund und Mund oder Rose und Hose. Auch Tee und See sowie Hut und gut eignen sich zum Hören und Zuordnen.

Beim Reimkarten-Memory ordnen die Kinder passende Bild- oder Wortkarten zu. Beim Reimball nennen sie in einer Kette passende Wörter wie Baum, Traum, Raum und Schaum. Ein Quatschgedicht motiviert dazu, eigene Reime und Fantasiewörter zu bilden.

Eine Einheit kann 30 bis 45 Minuten dauern: fünf Minuten Einstieg, zehn Minuten gemeinsames Hören, zehn Minuten Spielphase, zehn Minuten Übung und fünf Minuten Abschluss. Die Kinder sprechen, klatschen, ordnen Wörter zu und bilden anschließend eigene Reimpaare oder Verse.

Anfänger vergleichen zunächst zwei Bildkarten. Mehr Sicherheit geben drei Wörter, von denen zwei zusammenpassen. Geübte Kinder bilden eigene Reimwörter und Sätze, während DaZ-Lernende von der Kombination aus Bild, Wort und langsamem Vorsprechen profitieren.

Beim ersten Zugang zählt der gesprochene Klang. Deshalb können sich Bär und Meer reimen, obwohl die Wörter unterschiedlich geschrieben werden. Die Rechtschreibung kann später gezielt dazukommen.
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phonologische bewusstheit bildkarten reimwörter quatschgedichte sprachspiele

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Autor Bert Lemke
Bert Lemke
Mein Name ist Bert Lemke und seit nunmehr neun Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Bildung, Schule und Erziehung. Diese lange Zeit hat mir die Möglichkeit gegeben, tief in die Materie einzutauchen und die vielschichtigen Aspekte, die unsere Lernumgebungen prägen, aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Mich fasziniert besonders, wie wir Wissen so aufbereiten können, dass es für jeden verständlich wird und wie wir komplexe Zusammenhänge im Schulalltag und in der Erziehung greifbar machen. Dabei lege ich Wert darauf, Informationen sorgfältig zu prüfen, aktuelle Entwicklungen zu verfolgen und stets darauf zu achten, dass die Inhalte auf lily-braun-oberschule.de nicht nur korrekt, sondern auch praxisnah und leicht zugänglich sind. Mein Ziel ist es, Ihnen fundierte Einblicke zu geben, die Ihnen helfen, die Welt der Bildung besser zu verstehen.
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