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Johannes Drerup - Bildung, Demokratie und Schule erklärt

Egon Feldmann

Egon Feldmann

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17. Juli 2026

Buchcover von Johannes Drerup: "Kontroverse Themen im Unterricht – Konstruktiv streiten lernen".

Wer sich mit Schule, Bildung und demokratischem Lernen beschäftigt, stößt schnell auf Johannes Drerup. Der Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft verbindet Bildungsphilosophie mit konkreten Fragen des Unterrichts, etwa dem Umgang mit kontroversen Themen, Toleranz und politischer Bildung. Dieser Beitrag ordnet seine Person, Forschungsschwerpunkte und Bedeutung für die schulische Praxis verständlich ein.

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick

  • Position: Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Bildungstheorie an der TU Dortmund.
  • Forschung: Bildungsphilosophie, pädagogische Ethik, Kindheit, Demokratieerziehung und globale Bildung.
  • Für Schulen relevant: Sein Ansatz hilft beim Umgang mit Streitfragen, Meinungsvielfalt und politischer Bildung.
  • Wichtige Themen: Mündigkeit, Toleranz, Bildungsgerechtigkeit und die Grenzen pädagogischer Einflussnahme.
  • Aktueller Bezug: 2026 stehen unter anderem Demokratie und Erziehung in Kriegszeiten sowie kontroverse Themen im Unterricht im Mittelpunkt.

Buchcover: Johannes Drerup,

Wer ist Johannes Drerup?

Johannes Drerup ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler und Bildungsphilosoph. Seit 2019 lehrt und forscht er als Professor an der Technischen Universität Dortmund. Zusätzlich ist er seit 2019 Gastprofessor an der Freien Universität Amsterdam.

Sein akademischer Weg führte über ein Studium der Erziehungswissenschaft, Philosophie und Anglistik zu einer Promotion in Erziehungswissenschaft an der Universität Münster. Zuvor arbeitete er dort wissenschaftlich und war anschließend als Vertretungsprofessor an der Universität Koblenz-Landau tätig.

Mich überzeugt an seiner Arbeit vor allem die Verbindung von Theorie und schulischer Realität. Es geht nicht nur um die Frage, was Bildung philosophisch bedeutet, sondern auch darum, wie Lehrkräfte in schwierigen Situationen begründet handeln können.

Welche Themen prägen seine Forschung?

Im Zentrum steht die Bildungsphilosophie. Sie untersucht, welche Ziele Erziehung und Bildung haben, wie pädagogische Entscheidungen gerechtfertigt werden können und welche Verantwortung Schulen gegenüber Kindern und Jugendlichen tragen.

Zu den wichtigsten Arbeitsfeldern gehören:

  • Erziehungs- und Bildungstheorie, also die Frage, wie Bildung begriffen und pädagogisches Handeln begründet wird.
  • Pädagogische Ethik, die sich mit Verantwortung, Freiheit, Einflussnahme und moralischen Konflikten beschäftigt.
  • Philosophie der Kindheit, bei der Kinder nicht nur als zukünftige Erwachsene, sondern als eigenständige Personen betrachtet werden.
  • Demokratieerziehung, die politische Urteilsfähigkeit, Beteiligung und den Umgang mit Konflikten umfasst.
  • Global Citizenship Education, also Bildung, die globale Zusammenhänge und Verantwortung über nationale Grenzen hinaus thematisiert.

Ein wiederkehrender Begriff ist Mündigkeit. Damit ist nicht bloß gutes Benehmen oder Selbstständigkeit gemeint, sondern die Fähigkeit, Informationen zu prüfen, eigene Urteile zu bilden und Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen.

Sein Forschungsprojekt „GlobalPhilEd“ erweitert diese Perspektive. Es fragt, wie unterschiedliche philosophische Traditionen aus verschiedenen Weltregionen zur Bildungsphilosophie beitragen können. Das ist für Schulen interessant, weil Bildung dadurch weniger auf eine einzige kulturelle Sichtweise reduziert wird.

Was bedeuten seine Ideen für Schule und Unterricht?

Die Arbeiten des Wissenschaftlers liefern keine fertigen Unterrichtsrezepte. Sie helfen vielmehr dabei, schulische Entscheidungen genauer zu prüfen. Eine Lehrkraft kann sich beispielsweise fragen, ob eine Regel wirklich dem Schutz der Schülerinnen und Schüler dient oder hauptsächlich der Vereinfachung des Unterrichts.

Schulisches Thema Philosophische Leitfrage Praktische Bedeutung
Unterrichtsregeln Wie viel Kontrolle ist gerechtfertigt? Regeln transparent erklären und regelmäßig überprüfen
Politische Bildung Wie lernen Jugendliche ein eigenes Urteil? Argumente vergleichen und begründet diskutieren
Kontroverse Themen Wo endet Offenheit und wo beginnt menschenfeindliche Propaganda? Streit ermöglichen, aber Diskriminierung klar begrenzen
Bildungsgerechtigkeit Was bedeutet faire Behandlung? Unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigen

Ich halte diesen Ansatz für besonders hilfreich, weil „alle gleich behandeln“ nicht automatisch gerecht ist. Ein Kind mit Sprachförderbedarf, eine Schülerin mit Behinderung und ein leistungsstarker Schüler brauchen möglicherweise unterschiedliche Unterstützung, um tatsächlich faire Bildungschancen zu erhalten.

Wie sollen Schulen mit kontroversen Themen umgehen?

Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Frage, wie kontroverse Themen im Klassenraum behandelt werden können. Dazu zählen beispielsweise Krieg, Religion, Migration, Klimapolitik, Rassismus oder Fragen der sexuellen Identität.

Eine demokratische Schule darf Konflikte nicht einfach aus dem Unterricht fernhalten. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, unterschiedliche Positionen zu prüfen und Widerspruch auszuhalten. Gleichzeitig bedeutet Offenheit nicht, jede Aussage unwidersprochen stehen zu lassen.

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Kontroverse ist nicht dasselbe wie Beliebigkeit

Lehrkräfte sollten zwischen einer begründeten politischen Position und einer menschenfeindlichen Aussage unterscheiden. Über Steuern, Energiepolitik oder Schulpflicht kann kontrovers diskutiert werden. Die Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Behinderung ist dagegen keine gleichwertige „Meinung“, die lediglich mehr Raum benötigt.

Für die Praxis empfiehlt sich ein klarer Ablauf. Zuerst wird die Streitfrage sachlich formuliert. Danach sammeln die Lernenden Argumente und prüfen deren Belege. Am Ende sollten sie erklären können, warum sie eine Position vertreten, ohne andere Personen herabzusetzen.

Der häufigste Fehler besteht meiner Einschätzung nach darin, entweder jede Auseinandersetzung zu vermeiden oder Diskussionen völlig unmoderiert laufen zu lassen. Beides verhindert Bildung. Gute politische Bildung braucht Freiheit, aber ebenso Regeln, Fachwissen und pädagogische Verantwortung.

Welche Bücher und Projekte sind für Schulen besonders interessant?

Für den schulischen Zusammenhang sind vor allem seine Arbeiten zu Demokratieerziehung, Toleranz und kontroversen Themen relevant. Gemeinsam mit anderen Herausgebern veröffentlichte er unter anderem das „Cambridge Handbook of Democratic Education“, das internationale Perspektiven auf demokratisches Lernen bündelt.

2026 erscheinen beziehungsweise werden mehrere Projekte und Veröffentlichungen mit direktem Schulbezug geführt. Dazu gehören „Krieg im Klassenzimmer. Demokratie und Erziehung in Kriegszeiten“, „Moralischer Fortschritt. Geschichte vermitteln und Zukunft gestalten“ sowie das internationale Werk „Teaching Controversy“ über politische und ethische Konflikte im Unterricht.

Diese Titel sind nicht alle als einfache Lektüre für Jugendliche gedacht. Für Lehrkräfte, Studierende und pädagogische Fachkräfte können sie jedoch eine gute Grundlage sein, um Unterricht über Krieg, Demokratie, Geschichte und moralische Verantwortung sorgfältiger zu planen.

Woran erkennt man eine gute Einordnung seiner Positionen?

Bei wissenschaftlichen Namen wird häufig nur ein einzelnes Schlagwort herausgegriffen. Bei diesem Bildungsphilosophen wäre das zu kurz gegriffen. Seine Arbeit lässt sich nicht auf „mehr Demokratie im Unterricht“ reduzieren, denn sie beschäftigt sich ebenso mit den Grenzen von Toleranz, der Rolle von Wissen und der Frage, wann pädagogische Einflussnahme gerechtfertigt ist.

Wer seine Texte liest, sollte deshalb drei Ebenen auseinanderhalten:

  1. Begriffliche Ebene: Was bedeuten Bildung, Mündigkeit, Toleranz oder Gerechtigkeit genau?
  2. Normative Ebene: Welche Werte sollen in der Schule gelten und warum?
  3. Praktische Ebene: Wie lassen sich diese Werte im Unterricht umsetzen, ohne Schülerinnen und Schüler zu bevormunden?

Gerade die dritte Ebene verlangt Augenmaß. Philosophische Überlegungen ersetzen keine Kenntnis der Lerngruppe, des Bundeslandes oder der schulischen Rahmenbedingungen. Sie können aber helfen, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und vorschnelle Lösungen zu vermeiden.

Was Lehrkräfte aus diesen Gedanken mitnehmen können

Die zentrale Anregung lautet für mich, Schule nicht nur als Ort der Wissensvermittlung zu verstehen. Unterricht soll junge Menschen dazu befähigen, selbstständig zu urteilen, mit anderen zu streiten und Verantwortung zu übernehmen.

Für den Alltag bedeutet das, Regeln zu begründen, kontroverse Themen nicht aus Bequemlichkeit auszuklammern und zwischen Toleranz und Gleichgültigkeit zu unterscheiden. Genau darin liegt der praktische Wert dieser Forschung: Sie gibt keine einfache Checkliste, schärft aber den Blick für die Entscheidungen, die Schule jeden Tag trifft.

Häufig gestellte Fragen

Johannes Drerup ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler und Bildungsphilosoph. Seit 2019 lehrt und forscht er als Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der TU Dortmund und ist außerdem Gastprofessor an der Freien Universität Amsterdam.

Zu seinen Schwerpunkten gehören Bildungs- und Erziehungstheorie, pädagogische Ethik, die Philosophie der Kindheit, Demokratieerziehung und Global Citizenship Education. Ein zentraler Begriff ist Mündigkeit, also die Fähigkeit, Informationen zu prüfen, eigene Urteile zu bilden und Verantwortung zu übernehmen.

Kontroverse Fragen wie Krieg, Religion, Migration oder Klimapolitik sollten sachlich formuliert und anhand von Argumenten und Belegen diskutiert werden. Lehrkräfte müssen dabei zwischen begründeten politischen Positionen und menschenfeindlichen Aussagen unterscheiden, die keine gleichwertige Meinung darstellen.

Seine Arbeiten liefern keine fertigen Unterrichtsrezepte, helfen aber, Regeln und pädagogische Entscheidungen kritisch zu prüfen. Lehrkräfte können dadurch Fragen der Mündigkeit, Toleranz, Bildungsgerechtigkeit und pädagogischen Einflussnahme bewusster in den Unterricht einbeziehen.
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Autor Egon Feldmann
Egon Feldmann
Mein Name ist Egon Feldmann und seit nunmehr 12 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Bildung, Schule und Erziehung. Diese lange Zeit hat mir die Möglichkeit gegeben, tief in die Materie einzutauchen und die vielfältigen Aspekte dieses wichtigen Bereichs zu durchdringen. Mich fasziniert besonders, wie wir Lernumgebungen gestalten können, die junge Menschen bestmöglich auf ihre Zukunft vorbereiten und sie in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen. Auf lily-braun-oberschule.de teile ich meine Erkenntnisse, analysiere aktuelle Entwicklungen und versuche, komplexe Zusammenhänge verständlich aufzubereiten. Dabei lege ich großen Wert darauf, Informationen sorgfältig zu recherchieren und stets auf dem neuesten Stand zu halten, damit Sie stets nützliche und verlässliche Einblicke erhalten.
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